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Weideverhalten

 

Um graue gehörnte Heidschnucken möglichst artgerecht halten zu können, ist die Kenntnis des Weideverhaltens der Tiere nicht hilfreich. Anders als bei der sog. Hütehaltung, bei der die Heidschnucken im Laufe des Tages lange Strecken zu den und in den Weidegründen in trockenen Heidegebieten zurücklegen müssen, ist die mit dieser Haltungsform verbundene und geforderte gute Marschfähigkeit der Tiere bei einer Weide- oder Koppelhaltung weitestgehend unnötig. Tatsächlich zeigen graue gehörnte Heidschnucken in der Koppelhaltung ein den Witterungsverhältnissen, dem Futterangebot und der Tageszeit angepasstes Verhalten. In einer Untersuchung von Knut Strittmatter zum Verhalten von grauen gehörnten Heidschnucken in der Koppelhaltung auf Rekultivierungsflächen konnte gezeigt werden, dass die Heidschnucken nicht nur ein sehr hohes synchrones Verhalten zeigen, sondern auch durch ihr Verhalten ihre extreme Genügsamkeit beweisen.

In den Untersuchungen von Strittmatter wurde das Weideverhalten von jeweils 8 Mutterschafen ohne Lämmer in Koppelhaltung (1 ha) während der Vegetationsperiode (Mai bis September) auf einer Rekultivierungsfläche beobachtet. Das Verhalten der Tiere wurde im Zeitraum zwischen 6:00 und 20:00 Uhr untersucht mit dem Ziel festzustellen, ob hinsichtlich der Futteraufnahme eine Anpassung an den marginalen Standort zu beobachten ist. In einzelnen Beobachtungszyklen wurde das Verhalten der Tiere protokolliert und in Abhängigkeit von Temperatur, Tageszeit und Synchronität bewertet.

Das Weideverhalten der Heidschnucke zeigt, dass ein großer Zeitraum des Tages – in Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur – mit „liegen“ verbracht wird (33,9 bis 60,4 %). Aus den hohen „Liegezeiten“ lassen sich zwei Schlussfolgerungen ziehen. Erstens ist festzustellen, dass der Energieverbrauch der Tiere in Liegender Position im Verhältnis zu den übrigen Aktivitäten sehr gering ist. Dieses Verhalten ist sicher einer der Gründe, warum die graue gehörnte Heidschnucke als extrem anspruchslose und genügsame Rasse gilt. Zweitens lässt sich für die möglichst artgerechte Haltung der Heidschnucken daraus ableiten, dass für die Tiere ausreichende und geeignete Liegeflächen zur Verfügung stehen müssen. Im Idealfall handelt es sich dabei eben nicht um Liegeflächen in Ställen sondern um möglichst trockene, evtl. windgeschützte und sandige Flächen im Schatten von z.B. großen Bäumen.

Betrachtet man das „Liegeverhalten“ der Heidschnucken in Abhängigkeit von der Umgebungstemperatur, so fällt auf, dass das Liegeverhalten mit der Temperatur zunächst ansteigt um dann bei Temperaturen von über 25°C zurück zu gehen. Dieses Verhalten ist tatsächlich typisch für graue gehörnte Heidschnucken und begründet sich vermutlich in den Mechanismen der Temperaturregulation durch Verhalten. Bei niedrigen Umgebungstemperaturen (< 16,5°C) sin die Tiere durch ihr mischwolliges Vlies perfekt geschützt und Mechanismen zur Thermoregulation sind überflüssig. Steigt die Temperatur auf Werte zwischen 16,6 und 24,5°C müssen die Tiere Verhaltensmechanismen gegen Überhitzung anwenden und suchen oft unbewachsene und/oder sandige Flächen im Schatten auf um sich dort hinzulegen. Auffällig ist dabei, dass sie zuerst mit den Klauen die obersten Bodenschichten wegscharren um sich dann mit dem weitgehend unbewollten Bauch (thermisches Fenster) in den kühleren Untergrund zu legen. Dies muss als Mechanismus der Temperaturregulation (Wärmeleitung) interpretiert werden. Steigt die Temperatur auf Werte deutlich über 25°C, so suchen die Heidschnucken schattige Standorte auf und stehen dort oft stundenlang mit hängendem Kopf und trotzen den hohen Temperaturen. Bei Temperaturen oberhalb von 25°C ist anzunehmen, dass eine Wärmeabgabe in das Erdreich nicht mehr möglich ist und es stattdessen zu einer Wärmeaufnahme aus dem Erdreich kommen würde. Die Kontaktfläche muss entsprechend durch Stehen minimiert werden. Diese Beobachtung deckt sich mit den Daten der Literatur, die angibt, dass bei steigenden Temperaturen ein Übergang zum Ruhverhalten begünstigt wird bei gleichzeitiger enger Gruppenbildung mit der Aktivität Stehen.

Auffällig ist bei den Heidschnucken, dass die Aktivität Fressen mit steigender Umgebungstemperatur signifikant abnimmt. Da die durchschnittlichen Tagestemperaturen im Jahresverlauf im Regelfall mit einer Abnahme der vorhandenen Biomasse im August und September einhergehen, ist anzunehmen, dass bei steigender Temperatur von einer Futterverknappung auszugehen ist. Dies wird von den genügsamen Heidschnucken nicht durch längere Weidezeiten ausgeglichen, in denen nach mehr Futter gesucht wird, sondern kompensiert durch Ruhephasen und das Vertrauen in die angelegten Fettpolster. In diesem Zusammenhang ist auch festzustellen, dass bei guter bis sehr guter Futterlage – wie in unserer Herdbuchzucht – sich die Fresszeiten pro Tag auf wenige Stunden reduzieren (ca. 2,5 bis 4 Stunden) im Verhältnis zu den in der Literatur für die Hütehaltung angegebenen 8-9 Stunden.

Aus der einschlägigen Literatur ist bekannt, dass die Futteraufnahme der Heidschnucken in Abhängigkeit von der Tageszeit einen größeren Zeitumfang in der zweiten Tageshälfte einnimmt. In den Untersuchungen von Strittmatter konnte dies eindeutig bestätigt werden. Bei allen Umgebungstemperaturen überwog die Aktivität Fressen eindeutig in den Abendstunden, wobei bei steigenden Umgebungstemperaturen eine immer deutlichere Abgrenzung zu den Abendstunden hin stattfindet. Die Heidschnucken unserer Herde verlagern die Aktivität Fressen an heißen Sommertagen nicht nur in die zweite Tageshälfte, sondern in die späten Abendstunden bis hin zur völligen Dunkelheit, ein Zeitraum, der in der Untersuchung von Strittmatter nicht mehr bewertet wurde.

Schafe zeigen als klassische Herdentiere ausgedehnte Phasen einer zeitgleichen Verhaltensaktivität, die man als Synchronität bezeichnet. Trotz dieses typischen Verhaltens sind immer wieder Zeitspannen zu beobachten, in denen sich die Schafe asynchron verhalten. Zu den möglichen Gründen dieses asynchronen Verhaltens findet man in der Literatur nur wenige Erklärungsansätze. In unserer Herde lässt sich beobachten, dass die Phasen der Asynchronität eine positive Korrelation zur Größe der Herde zeigt.  Tendenziell ist festzustellen, dass sich die individuellen Tiere bei steigender Herdengröße auf gleich großer Weidefläche zunehmend individueller verhalten. In den Phasen der Synchronität rücken wenige Schafe eng zusammen und bilden einen intensiven Gruppenverband. Steigt die Individuenzahl, lösen die Tiere bei gleicher Aktivität den engen Gruppenverband auf und nehmen de facto den gesamten zur Verfügung stehenden Raum ein. In diesen Phasen lässt sich dann auch die größte Asynchronität feststellen.

Bei den Heidschnucken lässt sich unter Berücksichtigung der Umgebungstemperatur feststellen, dass die sehr hohe Synchronität in den Phasen der thermischen Belastung (niedrige und hohe Temperaturen) jeweils am höchsten ist. In der „thermoneutralen Zone“ steigt die Asynchronität.

Wie gut die graue gehörnte Heidschnucke an ihren teilweise extremen Lebensraum angepasst ist, lässt sich an der Nutzung von zur Verfügung gestellten Schutzhütten ablesen. Aus dem Blickwinkel einer anthropozentrischen Betrachtungsweise würde man unter Berücksichtigung der thermischen Wohlfühlzonen des Menschen davon ausgehen, dass die Heidschnucken insbesondere bei niedrigen Temperaturen die Schutzhütte aufsuchen um sich vor Unterkühlung zu schützen. Gerade dieses Verhalten zeigen die Heidschnucken nicht. In den Untersuchungen von Strittmatter konnte gezeigt werden, dass die Heidschnucken nur bei Temperaturen von mehr als 16,5°C damit beginnen, die Schutzhütten aufzusuchen, aber bei Temperaturen unterhalb von 16.5°C die Schutzhütten meiden. Dieses Verhalten lässt sich plausibel mit der hohen Strahlenbelastung (UV- und IR-Strahlung) bei steigenden Umgebungstemperaturen erklären. Eine gut genährte und gesunde Heidschnucke hat bei gut ausgebildetem Vlies keinerlei Probleme mit Temperaturen von bis zu -20°C. Tatsächlich suchen unsere Heidschnucken ihren Unterstand nur bei anhaltendem und intensiven Niederschlag auf. Schneefall belastet die Tiere hingegen gar nicht und sie ziehen einen freien Schlafplatz bei Schneefall dem Offenstall regelmäßig vor.  Die extrem gute Isolation der Schafwolle lässt sich in diesen Fällen daran erkennen, dass der Schnee auf der Wolle nicht schmilzt sondern liegen bleibt, obwohl die Tiere als Säugetiere eine viel höhere Körpertemperatur haben als die Umgebungstemperatur.

 

 

Weideverhalten der grauen gehörnten HeidschnuckeWeideverhalten der grauen gehörnten Heidschnucke

Fressaktivität in Abhängigkeit von der TageszeitFressaktivität in Abhängigkeit von der Tageszeit

Synchronität beim FressenSynchronität beim Fressen

Inanspruchnahme der SchutzhütteInanspruchnahme der Schutzhütte

KindergartenKindergarten

Gäste auf unserem TeichGäste auf unserem Teich

Der erste Nachwuchs der Deutschen LegegänseDer erste Nachwuchs der Deutschen Legegänse

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